Rosenkranz

Wallfahrtsgeschichten aus Kevelaer

“Die Pilger kommen”. Bis vor wenigen Jahrzehnten kamen sogar ganze Sonderzüge nach Kevelaer, das hat sich mit zunehmender Mobilität unserer Besucher doch geändert. Aber immer noch bedeutet “Pilgern” aufbrechen, sich in Bewegung setzen, beten, singen, zusammen schweigen, ein Ziel erreichen und jubeln. Auch wenn manch Fußpilger vor lauter Erschöpfung erst mal ein paar Tränen verliert und sich danach erst freuen kann. So vielfältig wie die Reaktionen am Ziel sind, so vielfältig sind auch die Anlässe zu denen man sich auf den Weg macht. Manchmal ist die Tochter/Schwiegertochter in guter Hoffnung und es wird unterwegs für eine gute Geburt und ein gesundes Kind gebetet. Manch einer betet für seinen Partner, der erkrankt ist, andere wiederum für die Eltern….

Andere reizt das Zusammensein mit vielen Gleichgesinnten, in der Gewissheit, dass die Weggefährten das Leben aus dem gleichen Blickwinkel sehen und die Gespräche eine gemeinsame Basis haben. Auch das fördert die Gemeinschaft, die gerade bei den Fußwallfahrern besonders ausgeprägt ist.

Besonders intensiv erleben gerade Fußpilger ihre Ankunft wenn die Familienangehörigen oder auch Passanten sie in Kevelaer auf der Hauptstraße willkommen heißen. Ein kurzes Stehenbleiben, die Gruppe vorbeiziehen lassen, ihnen aufmunternd zunicken, all dies bemerken unsere Gäste durchaus und freuen sich darüber.

Einmal am Kapellenplatz angekommen, gilt es, Maria zu begrüßen und dann…ja, dann fängt oft der ganz alltägliche Streß an. Die Koffer müssen geholt und zum Quartier geschleppt werden, erst einmal eine Dusche und die Schuhe am besten außen auf die Fensterbank. Beliebt sind die Abende an denen sich die Gruppe trifft um Jubilare zu ehren und dabei wird natürlich auch das eine oder andere Lied gesungen, ein oder zwei Gläser getrunken…kurz gesagt, die Geselligkeit wird ebenfalls gepflegt. Oft suchen die Pilger morgens, ganz in der Frühe, den Kapellenplatz auf um dort eine Kerze anzustecken, ihr Anliegen bei Maria zu formulieren, um die Stille an der Kapelle zu genießen und sich auf den Heimweg vorzubereiten.

Eine interessante Bemerkung von einem langjährigen Fußpilger: “Ich bin immer froh, wenn unterwegs der Rosenkranz gebetet wird. Man läuft doch ganz anders als bei normalen Gesprächen. Außerdem, auch das ist ganz praktisch, wenn der Rosenkranz beendet ist, sind wir bereits 5 Kilometer weiter auf unserem Weg”.  Klingt logisch, oder?